Regicide – 30 Leute und mehr bei den Proben waren keine Seltenheit

Kaum eine Band aus dem Underground wurde so sehr vom Pech verfolgt wie die lokalen Speed Metal-Heroes REGICIDE aus Wuppertal. Zwei tragische Todesfälle langjähriger Bandmitglieder (Schwanz und Fitti R.I.P.) stellte die Band mehr als einmal vor die Zerreißprobe, was nach zusätzlichen Problemen rund um den Release des zweiten Longplayers „Underground“ auch schlußendlich zur Auflösung führte. Um so erfreuter war die nach wie vor riesige Fanbase, als man 2015 überraschend die Reunion verkündete. Paul „Power“ Dahlmann, Frontmann der Wuppertaler Kult-Metaller steht Route666 Rede und Antwort.

Regicide - 30 Leute und mehr bei den Proben waren keine Seltenheit

Paul, wie kam es zur plötzlichen Reunion, nach fast zwei Jahrzehnten Abstinenz?
Contradiction luden Rob und mich ein, beim Underground-Festival am „Langen Tisch 2014“ zwei Regicide-Songs mit der Band gemeinsam zu spielen. Das hatte sich schnell rumgesprochen und eine Menge Leute freuten sich auf diesen Miniauftritt. Die Reaktionen des Publikums veranlassten Rob und mich, über ein ganzes Konzert nachzudenken.

Wie lässt sich das Gefühl auf der Bühne beschreiben, nach so vielen Jahren noch geliebt und vergöttert zu werden? Immerhin war das Reunion-Konzert 2016 mit 630 Fans fast ausverkauft.
Das war schon sehr emotional und natürlich ein tolles Gefühl zu realisieren, dass sich noch so viele Leute für Regicide interessieren. Mit dem Konzert ging für mich ein großer Traum in Erfüllung!

Wo siehst Du den Unterschied zwischen der Regicide Fanbase und Fans anderer Underground-Acts? Irgendwas müsst ihr ja besser gemacht haben, um nach so vielen Jahren nicht in Vergessenheit geraten zu sein.
Das ist eine gute Frage, die ich mir selbst auch gestellt habe. Fakt ist, dass wir vorher noch nie im LCB Headliner waren sondern immer nur vor bekannteren Bands wie Living Death, Accuser oder Rage spielten. So war es schwer abzuschätzen wie viele Leute zum Konzert kommen würden. Ich lag mit 200 bis 300 Besuchern jedenfalls total daneben.

Regicide in der Urbesetzung

Regicide in der Urbesetzung


Der wichtigste Faktor ist wohl Zeit und zwar der Zeitraum, als Regicide begannen, Musik zu machen und die danach folgende, jahrelange Pause. In den 80ern bildeten sich viele Subgenres im Metal und wir bewegten uns in einem Bereich, den es in Wuppertal noch nicht gab. Dazu kam der extrem enge Fankontakt. 30 Leute und mehr bei den Proben waren keine Seltenheit. Dadurch, dass teilweise bis zu 3 Bandmitglieder über einen längeren Zeitraum im Proberaum wohnten, hatte man eine Anlaufstelle zum Abhängen, Feiern, Musik hören und sogar zum Fernsehen und Videoschauen. Den Mauerfall z. B. haben wir im Proberaum verfolgt. Tja, und nach all den Jahren, wollten wohl viele die Freunde von früher wiedersehen. Zu unserer großen Freude war aber auch das Jungvolk stark vertreten. Das lag sicherlich auch an der Unterstützung durch die nicht wenigen Freiwilligen, die Plakate und Flyer verteilten sowie massenhaftes Teilen der Veranstaltung auf Facebook.

Kommen wir mal auf die beiden Neuzugänge Stefan „Stürmer“ Weber (git. Axxis) und „Tscherno“ Sascha Brans (dr.) zu sprechen. Funkte man da sofort auf einer Wellenlänge, oder brauchte es eine gewisse Eingewöhnungszeit? Und wie kam der Kontakt überhaupt zustande?
Stürmer hat Rob von Axxis mitgebracht. Ein aboluter Profimusiker, der musikalisch keine Eingewöhnungszeit benötigt. Den Tscherno (Sascha) habe ich schon 2014 beim „Langen Tisch“ gefragt, ob er sich vorstellen könnte, für ein ganzes Konzert bei Regicide zu trommeln. Für mich war er die erste Wahl, da er ein großer Fan aus den frühen Tagen ist. Tscherno spielt eigentlich keinen Speed Metal, und er hat ein Jahr lang mit unglaublichem Ehrgeiz Geschwindigkeit und Timing für Regicide geübt. Er hat mich sehr beeindruckt, und er ist eine wirkliche Bereicherung für die Band. Tscherno ist einer der nettesten Menschen die ich kenne.

Regicide bei der Reunion Show 2015

Regicide bei der Reunion Show 2015


Am 14. Oktober dieses Jahres feiert ihr das 30jährige Bandjubiläum im Live Club Barmen. Darf man sich wieder auf einige Überraschungen, in Form lange nicht mehr gespielter Songs freuen?
Es sind ein paar Überraschungen geplant, über die ich natürlich nichts sagen möchte. Im Kern wird das Programm der Reunion-Show ähneln, da es nun mal die Songs sind, die früher beim Publikum gut angekommen sind. Ich weiß, dass es Songs gibt, die sich der Ein oder Andere wünscht, wir diese aber nicht spielen, da sie nicht ins Gesamtkonzept passen.

Wie kam es zur Auswahl der Support-Bands Contradiction und Mortal Remains?
Seit den Gründungstagen gibt es mit einigen Bandmitgliedern von Contradiction und Mortal Remains eine enge Verbundenheit. Beide Bands sind ebenfalls in ihrem Genre Pioniere in Wuppertal und haben einiges im Tal in Bewegung gesetzt. Dieses Package passt wie die Faust aufs Auge.

Gibt es Planungen über den 14. Oktober hinaus?
Wie oder ob es nach dem Konzert mit Regicide weitergeht kann ich Dir nicht sagen, geplant ist nichts.

Paul, ich bedanke mich sehr herzlich für das Interview. (ds)


Karten für die 30th Anniversary Show gibt es noch unter tickets.kultur-live.de zu erwerben. Das Spektakel sollte man sich besser nicht entgehen lassen, da Regicide nicht nur als großartige Liveband gelten, sondern das Gesamtpaket so niemals wieder auf der Bühne stehen dürfte.

Am 06.05.2017 findet im Underground Wuppertal (Bundesallee 268 – 274) noch die Release Party für die auf 100 Stück limitierte DVD zur Reunion Show statt.

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