Pestreiter – Das Böse in den menschlichen Abgründen

Schon seit 2007 beackern PESTREITER aus Hagen mit ihrem brachialen Black Metal die Bühnen dieser Welt und ließen zudem 2013 mit ihrem Debütalbum „Todesweihe“ aufhorchen. Im letzten Jahr konnte man sogar mit dem durchaus gelungenen Videoclip zu „Legion Tod“ auftrumpfen. Frontmann G. (Voc./Git.) stellt sich freundlicherweise den Fragen von Route666.

Pestreiter

Einen Videoclip ohne aktuelles Album zu produzieren, erscheint eher ungewöhnlich. Wie kam es überhaupt dazu?
Eigentlich war es eine spontane Idee zu dem Song ein Video zu produzieren. Wir hatten den Proberaum gewechselt und nach der kleinen Serie von Gigs arbeiteten wir an neuen Songs. Als „Legion Tod“ dann geschrieben war, nahmen wir ihn bei uns auf und als wir dann beim Feinschliff waren und kollektiv auf allen Wiedergabegeräten gegen gehört hatten, kam die Idee dazu ein Video rauszuhauen. Zumal wir 2017 haben und ein Tonträger heutzutage nicht mehr ausreicht, um als Band wahrgenommen zu werden. Der Song, wie auch das Video, ist Teil einer EP, die leider noch auf sich warten lässt. Da werde ich später noch genauer. Aber sie wird kommen!!! Diese EP ist bzw. soll der Übergang von „Todesweihe“ zu was Neuem sein und soll auch unsere neuen Mitglieder vorstellen, die sozusagen mit der „Todesweihe“ nichts zu tun hatten.

Und in welchen Örtlichkeiten wurde das Video aufgenommen?
Gedreht, geplant und gemanagt wurde das von unserem großartigen Tom Dunkler und seiner Crew von DarkTMovie Art, welcher, nebenbei bemerkt, auch Auszeichnungen im Bereich Film erhalten hat. Zwar nicht mit dem Video zu „Legion Tod“, aber er hatte die nötige Ahnung und Erfahrung, wovon wir nur profitieren konnten. Er machte auch die geile Location klar, das Kellergewölbe der Konsumgenossenschaft Wuppertal. Dies ist eigentlich ein Arbeitsmuseum und wir hatten wahnsinniges Glück, diese Örtlichkeit nutzen zu dürfen. Es war zwar schweinekalt und arbeitsreich, aber eine saugeile Erfahrung für uns alle. Und wenn alles gut geht, wird es auch zu einem neuen Song irgendwann ein Video geben. Aber da ist noch nichts in Stein gemeißelt.



Der Release eures letzten Albums „Todesweihe“ liegt schon gut vier Jahre zurück. Kann man in naher Zukunft auf ein neues Album hoffen?
Nennen wir es nicht „nahe Zukunft“, sondern in Zukunft. Wir arbeiten gerade forciert an neuen Songs für ein Album und weil wir keine Termine für einen Release haben, konzentrieren wir uns darauf, dass ALLE mit den Songs zufrieden sind, bevor wir irgendwas recorden. Als nächstes werden wir uns aber um die besagte EP kümmern, welche sich aber auch u.A. wegen dem Ausstieg von T. auch etwas hinauszögert. Dazu später mehr. Trotz allem wird es in den nächsten Wochen endlich losgehen.

Waren die Verkaufszahlen zu „Todesweihe“ zufriedenstellend, oder hinkte man den Erwartungen eher hinterher?
Reich wird man in derartigen Gefilden natürlich nicht. Aber deswegen macht man es ja nicht. Der Verkauf läuft auch über unser Label Humanitiy’s Plague Productions weltweit; wie es dort mit den Verkaufszahlen ausschaut wissen wir auch nicht so genau. Bei unseren Gigs wird hauptsächlich Merchandise verkauft und nur ein kleiner Teil kauft CDs. Aber dennoch, die Nachfrage ist definitiv vorhanden und wir werden, wie erwähnt, auch weiterhin an Tonträgern arbeiten. Evtl. könnte zukünftig auch etwas auf Vinyl kommen. Man darf gespannt sein.

Euer Gründungsmitglied T. (B./Voc.) hat kürzlich die Band verlassen. Magst oder kannst du etwas zu den Gründen sagen?
Für mich persönlich war dies ein herber Schlag in die Fresse. Habe mit ihm vor rund 18 Jahren angefangen zu musizieren. Konstant! Zwar hatten wir auch immer mal wieder andere Projekte, aber fanden uns immer wieder in der eigenen Band wieder. Bei T. veränderte sich auch vieles im Leben und es war für ihn vielleicht an der Zeit aus dem Gewohnten auszubrechen. Er verlor die Identifikation mit der Band und einfach nur die Töne zu spielen ist auch nicht sein Stil. Er ist nun in etwas anderen, sehr anderen Gefilden unterwegs und wir wünschen ihm da alles Gute. Er nahm die Hälfte unseres Studios mit, welches wir beide uns aufgebaut haben über die Jahre und das führt jetzt dazu, dass wir erst einmal wieder aufstocken müssen und die Produktionen von Songs sehr, sehr verzögert, logischer Weise. Für mich wird es schon… sagen wir ungewohnt, mit einem/einer neuen Bassisten/Bassistin, denn er war halt immer am Start für diesen Musikbereich. Aber der Wahnsinn muss und wird weitergehen und da ist dann auch nicht viel Raum für so zwischenmenschlichen Firlefanz oder um da nostalgisch nachzutrauern und sich hängen zu lassen. Das wäre auch nicht in seinem Sinne. Wir sind aber im Guten getrennte Wege gegangen und bleiben auch weiterhin in Kontakt.


Pestreiter live
(Pestreiter live in Aktion)


Kommen wir auf eure Texte zu sprechen, welche größtenteils postapokalyptisch anmutende Themen beinhalten und sich damit wohltuend von der großen Masse abheben. Wer oder was inspirierte euch dazu?
Das Leben selbst ist Inspiration; das was uns so beschäftigt, packt man dann, oft auch mit metaphorischer Verpackung, in die Texte. Zum Beispiel bei „Legion Tod“ könnte man meinen, es handle sich um eine Art Zombie-Apokalypse, auf den ersten Blick. Jedoch die Intention ist der gesellschaftliche Verfall, der religiöse Wahn und seine Konsequenz, sowie das Böse in den menschlichen Abgründen. Aber, ich muss dazu sagen, das wir die Texte auch so konzipieren, das genügend Platz ist für Interpretationen des Hörers. Wir haben, gerade in den neuen Songs, auch explizite Sozialkritik („Abschaum“), sowie auch Stellungnahmen zum aktuellen Zeitgeschehen („Die schwarze Flagge und das Kreuz“). Diese Songs haben wir bisher nur live gespielt und werden zukünftig auf einen Tonträger gebannt. Es ist schwierig eine Prognose über Themen abzugeben, die zukünftig behandelt werden. Aber es passiert genug in der Welt, sodass sie sich fast von alleine schreiben.

In der Zeit von 1997 bis 2007 waren PESTREITER unter dem Namen BERZANO aktiv. Wie kam es eigentlich zu dem Namenswechsel? Blieb die musikalische Ausrichtung die Gleiche, oder stellte der Namenswechsel eher einen richtigen Neuanfang dar?
Nun, das war schon eine skurrile Geschichte und da muss ich etwas ausholen. BERZANO war eigentlich ein 2 Mann Projekt von Steelcrusher und Lord Arcon, welcher aber nur auf dem Album zu hören ist, und sollte eine Art Gegenbewegung – so wollte es der Gründer Steelcrusher – zur BM-Bewegung zu dieser Zeit sein. Zumindest mit dem Album „Hell on Earth“, wo T. und ich nichts mit zu tun hatten, wollte man dem aufkommenden Keyboard-Sound und der Kommerzialisierung entgegenwirken. T. und ich hatten in einem Plattenladen die Scheibe in der Hand, dachten uns in unseren jungen Tagen „Geil, umgedrehtes Kreuz und n Totenkopf aufm Cover und das aus Hagen, lass mal reinhören“. Mit der Reaktion „Boa, was is das denn für ein Krach?!“. Eine Woche später saßen wir nach der Probe eines unserer Projekte dann bei BERZANO exzessiv saufend im Proberaum und weil wir im gleichen Gebäude probten, holten wir Amp und Gitarre, jammten und nach dem Gelage hieß es dann „Geile Nummer, bis zur nächsten Probe dann!“ Sehr, sehr lustige Sache, kann ich dir sagen. Und so kam es dann, dass aus BERZANO eine richtige Band wurde mit allem Drum und Dran. T. und ich waren jedoch „nur“ 8 Jahre dabei und weil wir noch jung waren, uns weiterentwickelten, kam halt auch etwas neuer Wind rein. Vielleicht zu neu und zu anders für Steelcrusher. So kam es, dass er, obwohl wir eine Serie von Gig-Angeboten zugesagt hatten, die Band auflöste, den Namen nicht abgeben wollte und seine Texte mitnahm. Weil wir in der Zeit genau so viel reingesteckt hatten in die Band, nahmen wir die Songs mit, die quasi auf T.’s und meinem Mist gewachsen sind und unser damaliger Drummer hatte einen Kumpel in der Band „Hader“, welcher den Namen und das Logo von PESTREITER in die Welt hinaus schickte. Und wir spielten die Gigs unter diesem Namen. So begann es…

Und wie schaut es in nächster Zeit mit Live-Aktivitäten aus?
Das ist leider sehr ungewiss. Wir sind auf der Suche nach einem/einer würdigen Nachfolger/in für T. und sind gerade am casten. Es ist nicht so einfach, wie man annehmen mag. Auch im Zeitalter von sozialen Medien nicht. Und diese Art von Musik ist auch nicht jedermanns Ding. Aber es schaut, sehr vorsichtig gesagt, relativ gut aus. Relativ! Es wäre wünschenswert bis zum 10 jährigen Jubiläum wieder live tauglich zu sein, jedoch liegt der Fokus erst einmal auf dem neuen Kandidaten und den Aufnahmen, sodass man auch neues Material anbieten kann.

Ich bedanke mich sehr für das Interview. (ds)


Bewerbungen von potenziellen Bassisten/Bassistinnen nimmt die Band gerne auf ihrer offiziellen Facebook-Seite entgegen. Ein ausführliches Review des Albums „Todesweihe“ erfolgt zeitnah.

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