Kadaverficker – Neutral chaotisch wie immer


Schon seit 27 Jahren halten die Dortmunder KADAVERFICKER die Fahne des Extreme Metals ganz weit hoch. Mit „Kaos Nekros Kosmos“ konnte man jüngst das vierte und bisher stärkste Studioalbum präsentieren. Anlass genug mal ein wenig näher bei Frontmann Goreminister nachzufragen.

Kadaverficker Bandpicture 1

Im Vergleich zum Vorgänger ist „Kaos Nekros Kosmos“ sehr viel abwechslungsreicher ausgefallen und verlässt des Öftern mal die Grindcore-Gefilde. Hat sich das einfach so ergeben, oder steckt da eine besondere Absicht hinter?
Nein, keine Absicht. Kadaverficker war schon immer eine Band die gerne mit vielen Stilen experimentiert hat und das nicht erst seit „Kaos Nekros Kosmos“. Nichts ist schlimmer als sich auf ein Genre festzulegen. Da hat man dann drei Grindcore-Alben gemacht und dann? Wiederholt man die Scheiße von vorne? Ne, ne, das ist nicht unser Ding. Aber ich gebe Dir recht, wenn du sagst, dass „Kaos Nekros Kosmos“ das bisher abwechslungsreichste Album geworden ist.

Liefen die Aufnahmen reibungslos, oder war „Kaos Nekros Kosmos“ eher eine schwere Geburt?
Glaub es oder nicht, aber so chaotisch wir auch erscheinen mögen, so professionell gehen wir an Aufnahmen ran. Studiozeit kostet Geld und da kann man sich nicht wirklich erlauben, viel Chaos vor Ort zu verbreiten. Gut, nach getaner Arbeit vielleicht, aber derjenige der aufnehmen muss ist stets fokussiert. Dafür sorgt nicht zuletzt unser „5. Bandmitglied“ Jörg Uken. Von daher war alles neutral chaotisch wie immer.

Mit dem einstigen AFROMAN-Hit „Because I Got High“ ist mal wieder eine eher ungewöhnliche Coverversion vertreten. Wie kam es dazu?
Karaoke war schuld! Auf dem Gahlen Moscht Open Air haben wir in einer Bierlaune an einem Karaoke-Abend teilgenommen und auf einmal sagte Grandmoff nachdem wir uns gesangstechnisch, weil total voll, blamiert haben: „Ey, lass uns das covern“. Warum nicht? Das war eigentlich so der Stein des Anstoßes.

Kadaverficker Bandpicture 2

Gehen die Texte alle auf deinen Nacken, oder entstehen sie eher in Gemeinschaftsarbeit?
Ich würde sagen 85% bis 90% der Texte schreibe ich und den Rest erledigt Corporal Cruel. Manchmal schreiben wir die Texte auch alle vier zusammen, weil einer von uns eine interessante Idee vorbringt, die ich dann aufgreife und verfeinere. Generell ist die Arbeit innerhalb von Kadaverficker immer wie ein wilder, hochprozentiger Cocktail. Jeder schüttet irgendwas rein.

Aufgrund der Corona-Krise sind Auftritte zur Zeit so gut wie gar nicht möglich. Macht dir das große Sorgen, oder siehst du der Zukunft trotzdem gelassen entgegen?
Tja, gute Frage. Wenn ich sage ich wäre gelassen, wäre dies gelogen, da ich viele Bekannte in der Eventbranche habe, die aktuell auf dem Zahnfleisch gehen. Sicherlich findet man hier und da Wege, die Sachen irgendwie am Laufen zu halten, aber das Wahre ist das nicht. Zumal sich die Regierung scheinbar einen Scheißdreck um die Eventbranche schert. Da werden lieber Multi-Milliarden Euro Konzerne unterstützt. Im Endeffekt glaube ich aber, dass es dem Underground gut tun könnte (Betonung liegt auf KÖNNTE), weil man sich wieder auf lokale Bands fokussiert. Einreisen von Bands aus dem Ausland ist ja oftmals nicht möglich. Aber wohin mit den Bands, wenn alle Venues vor die Hunde gehen? Deswegen ist es gerade jetzt immens wichtig, sich solidarisch mit den Auftrittsorten in den jeweiligen Städten zu zeigen und diese so gut es geht zu unterstützen.

Was war eigentlich euer bisher peinlichster Moment auf der Bühne?
Eindeutig Aachen auf dem „Voll Aufs Mett“ Event. Da waren wir leider so besoffen, dass wir von der Bühne gefallen sind und unsere Songs kaum noch spielen konnten. Anschließend haben sich einige Zuschauer zurecht bei uns beschwert. Dieser Gig ging Bandintern auch als „Die Schande von Aachen“ in die Geschichte ein.

Und der Schönste?
Da gab es zum Glück viel mehr! Da fällt es mir auch schwer einen heraus zu picken, aber wenn ich nur EINEN nennen darf, dann wäre es wohl der Auftritt auf dem Obscene Extreme in Tschechien. Selten habe ich eine so gute Stimmung und eine so perfekte Organisation erlebt. Das war wahrlich großes Kino.

Wirkt sich deine Youtube-Tätigkeit positiv auf die Bekanntheit von KADAVERFICKER aus, oder spielt das eher eine untergeordnete Rolle?
Das weiß ich gar nicht so genau. Kann sein? Zumindest kennen mich ja einige Menschen von meiner Tätigkeit auf Youtube, also wirkt sich das sicherlich irgendwie auch auf die Band aus. Aber im Endeffekt ist das auch scheißegal, solange die Menschen Spaß an unserer Musik haben. Wenn es dann noch ein paar gibt, die auch meinen Youtube Content feiern? Umso besser. Zuviel Promo kann es heutzutage ja eigentlich gar nicht geben.

Möchtest du unseren Lesern abschließend noch etwas mit auf den Weg geben?
Wenn ihr etwas erreichen wollt, dann bekommt euren Arsch hoch und arbeitet so lange daran, bis ihr da seid wo ihr hinwollt. Niemand schenkt euch etwas, also seid stets beharrlich und arbeitet hart an dem woran ihr glaubt. Ach ja und nie vergessen; Immer brav das Bier austrinken, sonst bringt das Unglück. Hat auch schon einmal ein sehr weiser Mann gesagt, dessen Name mir aber leider entfallen ist.

Ich bedanke mich sehr herzlich für das angenehme Interview. (ds)



Käuflich erwerben könnt ihr das neue Album „Kaos Nekros Kosmos“ als CD oder streng limitiertes und handnummeriertes Vinyl auf Bandcamp . Unser ausführliches Review des Albums findet ihr hier.

Updated: 07. Oktober 2020 — 23:02

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