Elmsfire – Wie ein zu hart aufgepumpter Basketball


Schon seit 17 Jahren machen ELMSFIRE aus Düsseldorf mit außergewöhnlich starken Veröffentlichungen von sich reden. So auch mit ihrem neuesten Streich „Wings Of Reckoning“. Grund genug, die Gitarristen Doro und Germano mit ein paar Fragen zu löchern.

Erstmal herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Der Release von „Wings Of Reckoning“ steht unmittelbar bevor. Kribbelt es schon?
Doro: Sehr gerne! Wir freuen uns total, dass wir Deine Fragen beantworten dürfen. Und ja, es kribbelt schon, aber wir nehmen es, glaube ich, relativ gechillt. Für uns schließt sich mit dem Release ein Kreis. Immerhin haben wir vor vier Jahren begonnen, an unserem neuen Material zu arbeiten und sind wahnsinnig stolz, dass wir diese Arbeit zu einem so guten Abschluss bringen konnten. Es war ja absolut nicht abzusehen, wie sich das Endergebnis von „Wings Of Reckoning“ gestalten würde.

Von der Besetzung eures 2016 erschienenen Albums „Hour Of The Wolf“ seid nur noch ihr beide übrig. Wie kam es zu diesem radikalen Umbruch?
Germano: Wer in einer Band spielt weiß, dass man sich früher oder später mit solchen Probematiken auseinandersetzen und damit leben muss! Blöderweise hatten wir das Problem seit unserer Gründung 1999 immer wieder, also viel Erfahrung damit! Nach „Hour Of The Wolf“ stiegen nach und nach – bis auf uns beide – alle aus verschiedenen Gründen aus der Band aus. Priorities have been made!
Doro: In der Zeit zwischen den Alben hatten wir auch immer wieder verschiedene neue Kandidaten am Start, die es teilweise dann nicht bis zu den Aufnahmen geschafft haben, weil es einfach nicht gepasst hat. So etwas kann man leider nicht erzwingen.

Mit Bobby (voc.) und Martin (dr.) habt ihr zwei mehr als fähige Mitstreiter gefunden. Wie kam der Kontakt zustande?
Doro: Ja, das stimmt! Mit Bobby und Martin haben wir zwei extrem talentierte und motivierte Jungs an Bord. Beide sind nicht nur technisch wahnsinnig stark und haben ihren eigenen Stil mitgebracht, sondern sind dazu auch noch äußerst teamfähig und konstruktiv, womit sie sich mit Leichtigkeit integrieren konnten. Eine totale Bereicherung!
Germano: Bobby haben wir richtig kennen und schätzen gelernt während der Arbeiten an unserem Akustik-Projekt. Der Weg war hier nicht weit, auszuprobieren, ob seine Stimme auch auf ELMSFIRE passen würde. Wie sich schnell gezeigt hat war der Versuch ein Volltreffer! Was Martin angeht: Das war Schicksal! Wir kennen uns schon irrsinnig lange. Er war Drummer bei BELFRY, einer sehr bekannten Düsseldorfer Metal Band und wir haben mehrfach zusammen auf denselben Events gezockt. 2018 dann, als wir wieder auf der Suche nach einem neuen Drummer waren, trafen wir uns zufällig in einem Café wieder und der Rest hat sich irgendwie von selbst ergeben.

Konntet ihr bisher keinen passenden Bassisten finden, oder warum habt ihr die Basspuren auf „Wings Of Reckoning“ selbst eingespielt?
Doro: Ja, das stimmt wohl. Zu dem Zeitpunkt war kein Bassist am Start, sodass Germano und ich die Basslinien selbst eingespielt haben und wir die Aufnahmen vollenden konnten. Das hat sich allerdings inzwischen geändert.

Wie liefen eigentlich die Aufnahmen?
Germano: In weiten Teilen würde ich sagen: Relativ entspannt! Uns blieb ja keine Wahl, als immer erst das zu erledigen, wozu wie zur jeweiligen Zeit die Möglichkeiten hatten. Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden, alles in Home-Recording, also selbst zu machen. Dazu mussten wir uns unterwegs sehr viel selbst zum Thema draufspulen, was wirklich sehr spannend war. Der Bass-Drum Sound zum Beispiel, hat uns den letzten Nerv geraubt. Wir haben gefühlte 1000 Anläufe gebraucht, um das hinzubekommen. Ehrlich, egal wie wir das Ding gestimmt haben, es klang wie ein zu hart aufgepumpter Basketball! Erst als uns ein Freund seine Bass-Drum geliehen hat, klang es wieder wie ein Drum-Kit! Als der Sound dann endlich gestimmt hat, war das Einspielen für Martin überhaupt kein Problem und wir waren wirklich zügig mit allem durch.
Doro: Beim Gesang fällt mir sofort der lange Schrei ein, der auf „Maelstrom“ zu hören ist. Bobby hat den in einem Take gebracht! Die Power hat uns vollkommen umgehauen. Das Krasseste war, dass er den dann ohne Probleme auch noch mehrmals wiederholen konnte. Wahnsinn! Uns war sofort klar, dass der genau so auch auf der Platte bleiben muss.

Elmsfire - Live in Aktion

Elmsfire – Live in Aktion

Eure Texte behandeln oft Themen aus Sagen und der Mythologie Könnt ihr ein wenig zu den neuen Lyrics verraten?
Doro: Bei den Lyrics ist es eigentlich so, dass die Musik die Bilder bestimmt, die dann auch in den Texten auftauchen. Jeder Song hat sein ganz eigenes Gefühl und ruft dann Assoziationen wach. Wir bedienen uns dann gerne aus Elementen verschiedener Mythologien, die zum Thema passen, verbinden sie mit den Emotionen und setzen sie in einen neuen Kontext. So kann man neue und oft persönliche Geschichten mit teilweise bekannten Protagonisten und Bildern erzählen. Diesmal sind zum Beispiel südamerikanische Elemente stark vertreten, aber auch Keltische sowie Motive aus der Antike.

Bisher war leider noch nicht ersichtlich ob es auch Tonträger eures neuen Albums geben wird. Ist etwas in diese Richtung geplant?
Germano: Gegenwärtig haben wir leider noch keine Absicht, Tonträger in irgendeiner Art pressen zu lassen. Die Platte kommt erstmal nur digital. Dies war eine bewusste, aber nicht endgültige Entscheidung. Eine CD-Pressung ist ja auch ein finanzieller Aspekt für uns als kleine Band. Und die Nachfrage nach „physischen“ Formaten hat erfahrungsgemäß über die letzen Jahre auch stark abgenommen. Zusätzlich, bedingt durch Corona, ist für uns der Hauptfaktor, wo wir diese hauptsächlich an den Mann bringen konnten, nämlich die Live-Gigs, weggebrochen.

Momentan hält Corona die ganze Welt in Geiselhaft. Gerade die Eventbranche hat sehr darunter zu leiden. Schürt das als Musiker, der auf Veranstaltungen angewiesen ist, sehr große Zukunftsängste?
Doro: Da wir alle noch andere, „normale“ Jobs haben, sind wir glücklicherweise nicht von den Veranstaltungen abhängig, was aber nicht bedeutet, dass die Situation nicht auch für uns belastend ist. Zuallererst geht uns natürlich der Spaß-Faktor verloren, den Live Gigs mit sich bringen. Die Interaktion mit den Fans fehlt, die gelebte Metal-Kultur. Live auf der Bühne zu sein ist für jede Band einfach das Größte – das eigentliche Ding, worum sich alles andere dreht. Und wie Germano eben schon gesagt hat, waren diese Events für uns auch immer eine Möglichkeit, unsere Ausgaben für die Aufnahmen wenigstens zum Teil wieder über Merch- und CD-Verkäufe reinzuholen.

Abschließend noch ein paar Worte an unsere Leser?
Germano: Wir hoffen, dass wir euch so neugierig auf unsere neue Platte machen konnten, dass Ihr Bock habt mal reinzuhören. Außerdem hoffen wir, euch auf einem Konzert zu sehen, sobald es wieder möglich ist. Unterstützt auf jeden Fall weiter eure lokale Metal-Szene! Bis es soweit ist: Bleibt gesund! Und vor allem: Stay heavy!

Ich danke euch beiden für das angenehme Interview. (ds)



Käuflich erwerben könnt ihr das neue Album Wings Of Reckoning ab dem 25. September als digitalen Download. Weitere Informationen über ELMSFIRE findet ihr selbstverständlich auch auf Facebook.

Updated: 07. Oktober 2020 — 23:02

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